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XML-Server: Markt im Aufbruch

von Karin Oppel,  Produktmarketing-Manager Tamino, Software AG


Der XML-Servermarkt ist im Aufbruch. Was können die neuen Systeme, und wie sind sie zu unterscheiden?

Es gab eine Zeit, da war die Frage, was denn eigentlich ein Server sei, recht einfach zu beantworten: alles, was mehr als 20 Kilo wiegt und eine billige Tastatur hat. Die Zeiten, in denen solch rustikale Definitionen zulässig waren, liegen einige Jahre zurück. Wenn heute ein Anbieter beispielsweise einen XML-Server ankündigt, weiß die Benutzergruppe jenseits der inneren XML-Zirkel dagegen nicht so genau, was sie erwarten kann. Generell gilt zwar auch für XML-Server die Faustregel: bei Servern mit Bindestrich – Datenbank-Server, Web-Server usw. – geht es nicht nach Gewicht, denn da ist alles Software; und es ist Server-Soft-ware, weil man, außer für die Administration, nicht interaktiv damit arbeiten darf.

Mit einem XML-Server wird man also keine XML-Dokumente erstellen. Was können die neuen XML-Server aber dann? Der Marktforscher GiGa hat eine erste Sichtung und Unterscheidung der derzeit und demnächst ver-fügbaren XML-Server vorgenommen und damit zugleich eine erste Marktsegmentierung versucht. Nach Ansicht der Giga-Ana-lysten lassen sich XML-Server in vier funktionelle Segmente einteilen:

  • Formatierung und Präsentation von XML-Dokumenten

  • Ausführung von Geschäftslogik

  • Langfristige und kurzfristige Speicherung

  • Verbindung zu bestehenden Informationssystemen

Formatierung und Präsentation von XML-Dokumenten
XML mag der Standard der Zukunft sein, Standard der Gegenwart ist im Web nach wie vor HTML. Wer bereits jetzt XML-Dokumente verwendet, ist auf die Umsetzung in HTML angewiesen, um die Daten überhaupt verfügbar zu haben. Zahlreiche Anbieter von Produkten im Bereich Web-Publishing stellen XML-Support zur Verfügung: so etwa Inso, Vignette, Broadvision und Omnimark. Künf-tig müssen auch Server XML-Dokumente parsern und bearbeiten können. Dabei ist auch DataChannel zu nennen, dessen Server RIO unterschiedliche Datenquellen auf Basis von XML in eine Browser-Ober-fläche integriert. RIO wird künftig auf Basis der XML-Technologie der Software AG laufen und damit seine XML-Informationen direkt im XML-Format speichern können.

Verbindung zu bestehenden Sytemen
Wie bei allen neuen Standards muß XML Anschluß an die Welt der bestehenden Informationssysteme finden. Niemand kann und will seine Systeme von heute auf morgen komplett auf einen neuen Standard umstellen. Andererseits müssen aber auch bestehende Systeme oder relationale Datenbanken mit XML-Anwendungen kommunizieren – oder besser: zusammengeführt werden. Daher sind spezielle XML-Tools erforderlich, die die Formate integrieren können.
Eine Reihe von Tools unterstützt das Mapping von vorhandenen und XML-Daten. Im Vordergrund steht dabei die Kommunikation mit ERP-Systemen, die über spezielle Adapter für XML erschlossen werden. Da derzeit noch die wenigsten ERP-Systeme über eine direkte XML-Verbindung verfügen, gibt es auf diesem Gebiet zahlreiche Aktivitäten, auch in Verbindung mit EDI. Allerdings weist GiGa auch darauf hin, daß die ERP-Systeme sich früher oder später für XML öffnen werden, so daß dann keine Tools von Dritt-an-bietern dafür benötigt werden. XML-Transformationen werden dann ver-stärkt für die Konvertierung unterschiedlicher XML-DTDs eingesetzt werden.

Langfristige und kurzfristige Speicherung
Zahlreiche Datenbank-Anbieter haben bereits XML-Produkte oder -Unterstützung angekündigt. Einige ergänzen dabei bestehende Produktlinien um XML-Schnittstellen, andere bieten neue, originäre XML-Technologie. Poet und Ardent haben dokumentenorientierte XML-Datenbanken vorgestellt, ObjektDesign und die Software AG mit Tamino legen das Schwergewicht auf Anwendungsdaten, vor allem in Verbindung mit Electronic Business. Dabei sticht die Software AG insofern hervor, als sie mit ihren bisherigen Datenbanken seit Jahrzehnten in der oberen Leistungsklasse bei Systemen mit extrem hohen Transaktionsraten vertreten ist. Wichtig für alle Produkte ist auch in diesem Segment die Verbindung zu vorhandenen Datenbanken, ein Funktionsbereich, dem die Software AG in besonderer Weise gerecht wird. In Tamino gibt es speziell dafür den Funktionsbaustein X-Node.

Ausführung von Geschäftslogik
Im Rahmen einer mehrschichtigen Architektur spielen Anwendungsserver für die Ausführung der Geschäftslogik eine wichtige Rolle; sie stellen die Funktionalität der Anwendungen zur Verfügung. GiGa sieht in diesem Bereich derzeit noch eine geringe Verbreitung von XML. Bluestone bietet bereits eine Verbindung zwischen seinem XML und seinem Application Server, IBM hat den Application Server WebSphere um einen XML-Parser erweitert, die Software AG wird ihre Entwicklungs- und Ablaufumgebung Bolero ebenfalls XML-kompatibel machen.

Ausblick
Die XML-Technologie steht noch am Anfang, aber schon gibt es auch anspruchsvolle Produkte, die über die anfänglich dominierenden Parser und Browser weit hinausgehen. Allmählich wird sich die IT-Welt bewußt, daß mit XML strukturierte Dokumente mehr sein können als White Papers mit vielen Verweisen auf die Zukunft oder Verkaufsbroschüren: Der Einsatzbereich von XML ist nahezu unbegrenzt, er reicht von Röntgenbildern über CAD-Files bis zu Transaktionsdaten. Aufgrund der Flexibilität von XML bleibt praktisch kein Anwendungsgebiet ausgeschlossen. Für alle diese vielfältigen Anwendungen braucht es neben pfiffigen Konzepten natürlich auch die entsprechenden Maschinen: XML-Server unterschiedlichster Art.

 

 

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