Genius Software GmbH
XML revolutioniert die Maschinenbaubranche
Von
Jürgen Wasem-Gutensohn*
Genius Software aus
Amberg nutzt in einem Projekt für das
Antriebselemente produzierende Maschinenbauunternehmen
Mädler den XML-Informationsserver Tamino. Die
Electronic-Business-Lösung greift in den Kernbereich
der Wertschöpfungskette ein. Ziel ist die nachhaltige
Beschleunigung und Vereinfachung von Geschäftsprozessen
im Bereich Business-to-Business und eine deutliche
Reduktion der damit verbundenen Kosten. Die Mädler-Gruppe
produziert Antriebselemente und handelt mit Teilen für
den Maschinenbau.
Die
Botschaft, übermittelt von allen führenden
Wirtschaftsberatern, ist klar: Nur wer seine Wertschöpfungskette
permanent optimiert, hat heute noch eine Chance in
einem intensiven Wettbewerbsumfeld. Fortschrittliche
Unternehmen planen daher, ihre Kunden und Lieferanten
via Internet an das bestehende Warenwirtschaftssystem
anzubinden, um die mehrfache manuelle Bearbeitung
eines Bestellvorgangs zu vermeiden. Dabei soll eine im
Warenwirtschaftssystem ausgelöste Bestellung
automatisch zu einem Bestelleingang im System des
Lieferanten führen. Eine Rückmeldung vom Lieferanten
muss als Auftragsbestätigung verarbeitet werden können.
Auch sollen Bestellungen von Auslandsvertretungen oder
ausländischen Distributoren verarbeitet werden können,
für deren Lieferant das Unternehmen ist.
Anspruchsvolle
Kunden wünschen sich für die Zukunft aber noch mehr:
Zusätzlich zur direkten Anbindung ihrer Systeme
fordern sie sehr bald schon Auskunft über die Verfügbarkeit
einer bestimmten Liefermenge und den Bestellstatus
eines laufenden Auftrags.
Dass
solche Vorstellungen mehr sind als Visionen
demonstriert die Genius Software GmbH & CO. KG aus
Amberg in einem gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen
Ernst & Young initiierten Pilotprojekt für die Mädler
Gruppe, die in zwei den Filialen in Stuttgart und
Hamburg angegliederten Fertigungsstätten
Antriebselemente produziert und mit Maschinenbauteilen
handelt.
Den
Eckstein bei der Neugestaltung der Wertschöpfungskette
bildet Tamino, der XML-Server der Software AG.
Verantwortlich für die informationstechnische
Infrastuktur ist Genius Software, den Part der
strategischen Organisationsberatung übernimmt Ernst
& Young.
Starke
Vereinfachung und Kostenreduzierung beim Einkauf und
Verkauf übers Web
Als
Zweig der Investitionsgüterindustrie weist der stark
mittelständisch geprägte Maschinenbau eine
Besonderheit auf. Deutlich mehr als die Hälfte des
gesamten Waren- und Dienstleistungsverkehrs wird mit
Unternehmen innerhalb der Branche abgewickelt, erläutert
Gerhard Koelbl, Marketing Direktor bei der Genius
Software GmbH & CO. KG in Amberg. Ein
Maschinenbau-Unternehmen bezieht Artikel von einem
anderen, konstruiert und fertigt daraus neue Produkte
und verkauft diese an andere Fertigungsbetriebe.
Jedes
Unternehmen, das in diese Lieferanten-Kunden-Kette
eingebunden ist, benötigt sowohl Produkt- als auch
CAD-Daten. So gehören zu den Produktdaten eines
Pneumatikzylinders Durchmesser, Hub und notwendige
Anbauteile. Will ein Unternehmen diesen Zylinder in
einer neu entwickelten Maschine einsetzen, werden auch
die CAD-Daten (Computer Aided Design) benötigt. Es
gibt bereits Maschinenbauer, die diese Informationen
über CD-ROM bereitstellen. Fertigungsunternehmen
können sich dann in einem Katalog auf CD-ROM oder
auch im Web die Produktspezifikationen anschauen, die
benötigten CAD-Zeichnungen herunterladen und
weiterverwenden. Für die Anwender unangenehm ist die
starke Unterschiedlichkeit der verschiedenen CD-ROMs,
die jeweils auf dem Anwendungssystem installiert
werden müssen und immer wieder neue
Navigationsstrukturen aufweisen. Der Einstieg in
elektronische Informationssysteme ist damit jedoch für
die meisten Hersteller vollzogen. Bis zu einer
Vernetzung der Warenwirtschaftssysteme mehrerer
Lieferanten und Kunden ist es jedoch noch ein weiter
Weg.
Wie
eine derartige Integration erfolgen kann, demonstriert
Genius Software in der bereits erwähnten
Pilotanwendung bei der Mädler Gruppe. Seit ihrer Gründung
im Jahre 1984 ist Genius Software ein weltweit
operierendes Unternehmen mit vier internationalen
Niederlassungen geworden. Basierend auf dem großem
Know-how im CAD-Umfeld gepaart mit Projekterfahrung im
Internet hat sich Genius ganz dem E-Business
verschrieben. Heute sind bei Genius Software mehr als
120 Mitarbeiter tätig. Zu den wesentlichen Geschäftsfeldern
gehören E-Commerce-Lösungen für Hersteller von
Maschinenbauteilen (web2cad Datawarehouse mit XML-Server),
CAD-Bibliotheken mit Teilen für den Maschinenbau im
Internet (PowerParts on Web),vertreten beim Internet-Dienst
für Maschinenbauingenieure und -konstrukteure
(www.web2CAD.de), sowie die Programmierung von
Internetsystemen.
Eine
tragende Rolle im Rahmen der Pilotanwendung bildet die
eXtensible Markup Language (XML). Roland Lehle, zuständig
für Datawarehouse Development bei Genius Software,
erläutert: XML fungiert in unserem Unternehmen als
Middleware. Wir haben Corba erwogen, uns aber dagegen
entschieden, denn Corba ist nicht nur teuerer, sondern
auch proprietär. XML dagegen stellt für Unternehmen
aus der Maschinenbaubranche eine einfachere und
transparentere Möglichkeit dar, den Datenaustausch
zwischen unterschiedlichen Systemen abzuwickeln.
Lehle ist sich sicher: Ohne XML können keine
allgemein zugänglichen Schnittstellen erstellt werden,
die von den Mittelständlern finanziert und selbst
gepflegt werden können. XML als universelles
Datenaustauschformat ermöglicht, mit vertretbarem
Aufwand komplexe Vernetzungen von Geschäftsprozessen
zwischen verschiedenen Herstellern und Händlern zu
realisieren.
Kostenvorteile von
XML
Nach
Lehles Schätzungen liegen die Kosten der
Basisinstallation einer XML-Anwendung zirka 50 Prozent
unter der einer EDI-Verbindung. Als Client genügt ein
Web-Browser, um die übertragenen Daten darzustellen.
Die Kosten pro übertragener Nachricht können gegenüber
EDI bis zu 60 Prozent niedriger sein. Ein denkbares
Scenario sieht so aus:
Ein
Maschinenbau-Unternehmen fragt die Verfügbarkeit
einer bestimmten Menge eines Produktes wird via XML
bei einem Lieferanten ab. Der meldet Verfügbarkeit
zurück. Darauf schickt das Unternehmen mit XML eine
Bestellung aus seinem ERP-System an den Lieferanten.
Dessen Warenwirtschaftsanwendung erzeugt daraufhin
automatisch einen Auftrag und schickt per XML eine
Auftragsbestätigung zurück. Als Zusatzinformation
wird der Lieferstand für einen bestehenden Auftrag
mitgeteilt.
Für
die technische Realisierung dieser XML-Lösung werden
bei Mädler folgende Server genutzt: Ein Web-Server
schafft die externe Verbindung zum Internet und enthält
den Firewall zum Schutz vor ungewünschten Nutzern.
Daran ist intern ein zweiter Server mit Tamino
angeschlossen. Dieser ist auch mit dem
unternehmensinternen lokalen Netz verbunden und kann
damit von allen Anwendungssystemen erreicht werden.
Externe
Web-Anwender, die von ihrem Browser aus Katalogdaten
in Tamino einsehen wollen, geben wie gewohnt eine Web-Adresse
(URL) ein, die über den Web-Server an den
Informationsserver Tamino weitergeleitet wird. Tamino
liefert die gewünschte Information ins Web. Die
Server verhindern, dass Nachrichten direkt zwischen
dem Internet und dem lokalen, internen Netz
ausgetauscht werden. Die in Tamino abgelegten, in XML
strukturierten Informationen wiederum werden aus dem
betriebsinternen Warenwirtschaftssystem bereitgestellt.
Ausblick
Genius
Software nutzt XML zur Abbildung der Produktdaten im
Maschinenbau im Datawarehouse. Um hier Fakten zu
schaffen und Standardisierungsbemühungen voran zu
treiben, wurde Genius Software Mitglied des deutschen
Normierungsausschusses Sachmerkmale (NSM), der sich
speziell mit dem Thema Datenbeschreibung und -austausch
in der Branche beschäftigt.
Die
bisherigen Projekterfahrungen fasst Koelbl zusammen:
Wir werden Tamino in unser Produktportfolio
aufnehmen, weil Unternehmen, die ihren Kunden die
Produktdaten am schnellsten und aktuellsten zur Verfügung
stellen, zu den Gewinnern ihrer Branche gehören
werden. Dazu und um den Austausch der Daten zwischen
verschiedenen Systemen zu vereinfachen brauchen wir
die XML-Technolgie. Daher wird das Datawarehouse von
Genius mit dem XML-Server Tamino die unternehmensübergreifende
Geschäftsprozessintegration im Maschinenbau
revolutionieren.
Ansprechpartner:
Genius
Software GmbH & CO. KG
Gerhard Koelbl
Marketing Director
Faberstrasse 9
92224 Amberg/Germany
Tel.: +49 9621/700-0
Fax: +49 9621/700-00
E-Mail: gerhard.koelbl@genius.de
Roland
Lehle
Datawarehouse Development
E-Mail: roland.lehle@genius.de
Jürgen
Wasem-Gutensohn ist Redakteur bei der PR-Agentur
PR-COM in Martinsried bei München |