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XML in der Praxis

Magis

XML reduziert das Risiko für Gefahrguttransporte

Gefahrstoffe werden in vielen Unternehmen des produzierenden Gewerbes verwendet, nämlich organische und anorganische Chemikalien, Grundstoffe, chemisch-technische Erzeugnisse sowie Kunststoffe. Handhabung und Transport sind mit erheblichen Risiken verbunden. Deswegen gelten für deren Einsatz, Lagerung und Transport komplizierte gesetzliche Sicherheitsvorschriften. Die zur Beschreibung dieser Gefahrstoffe notwendigen Informationen finden sich bis heute auf vielfältigen Papierdokumenten. Mit XML können sie erstmals integriert und elektronisch bereitgestellt werden. Das wird zu einer erheblichen Reduktion der Risiken im Umgang mit ihnen führen.

Gefahrstoffe werden auf gesetzlich geregelten "Sicherheitsdatenblättern" beschrieben. Vorschriften und Normen dafür werden ständig verschärft. Sicherheitsdatenblätter sind deswegen ist ein wichtiger Teil der Produktdokumentation. Sie dienen als Basis von Sicherheitsvorschriften für Produktion und Transport. Spediteure benötigen sie als Begleitpapiere. Befördert ein LKW solche Frachten zum Beispiel von Portugal nach Polen, so benötigt er sie in portugiesisch, spanisch, französisch, deutsch und polnisch.

Bei Gefahrgutunfällen ist die richtige und rasch verfügbare Information absolut wichtig für die Verhinderung beziehungsweise Eingrenzung von Schäden an Menschen, Gütern und der Umwelt. Gefahrstoffe sind an vielen Prozessen beteiligt. Die Verfolgung der Gefahrstoffe auf ihrem Weg durch das Unternehmen und die Integration von Informationen über sie, die weit über die Sicherheitsdatenblätter hinausgehen, ist unerläßlich.

Da kaum ein Transportunternehmen all diese Unterlagen mehrsprachig immer vorhalten kann, wendet es sich etwa an Spezialisten wie Magis in Bad Camberg, ein Unternehmen für Dienstleistungen im Umweltbereich. Spediteure können ihre benötigten Begleitpapiere von Magis über das Web in insgesamt 29 Sprachen beziehen. Sie liegen in Form von zirka 5.500 Textbausteinen vor und entsprechen den Empfehlungen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) sowie des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI).

Sicherheitsdatenblätter werden auch bei Lieferantenbeziehungen innerhalb der chemischen Industrie benötigt. So muss sie etwa ein Hersteller der Grundchemie mitliefern, wenn er Erzeugnisse an einen Lackhersteller verkauft. Dieser wiederum bezieht Artikel von mehreren Lieferanten, die ebenfalls Sicherheitsdatenblätter in Papierform mitliefern. Oft haben diese einen Umfang von acht bis zehn Seiten. Schnell entstehen so umfangreiche Schriftsätze, die im günstigsten Fall in Aktenordnern abgeheftet werden und im schlimmsten Fall noch einmal neu erfasst werden, um sie elektronisch weiter verwenden zu können.

"Bislang gab es keine Möglichkeit die verschiedenen Informationen, aus denen sich die Sicherheitsdatenblätter zusammensetzen, in elektronischer Form zwischen Unternehmen in der chemischen Industrie auszutauschen", bestätigt Klaus-Dieter Mehler, Geschäftsführer bei Magis. "Alle Ansätze, dies mit Verfahren des Electronic Data Interchange (EDI) durchzuführen, sind zu kompliziert und vor allem für mittelständische Unternehmen zu teuer.”

Über drei Viertel aller deutschen Chemiebetriebe haben weniger als 300 Mitarbeiter und zählen damit zum Mittelstand. Solche Unternehmen pflegen in aller Regel Geschäftsbeziehungen zu mehreren großen Konzernen, die jeweils ihre eigenen Standards für EDI-Verfahren definieren. Die mittelständischen Chemiebetriebe hätten deswegen gleichzeitig mehrere EDI-Verfahren für die elektronische Übermittlung der Gefahrgutdokumente betreiben müssen. Der Aufwand und die Kosten stünden in keinem Verhältnis zum möglichen Nutzen. Deswegen blieb es bisher beim Versand von Papierdokumenten.

Ganz anders dagegen verhält es sich mit Lösungen auf Basis von XML, die nach Mehlers Meinung möglich werden: “XML als universelles Datenaustauschformat kann endlich die Versprechen von EDI einlösen. EDI ist eine Technologie der 80er Jahre, XML dagegen gehört die Zukunft. Denn XML eignet sich als Transportmedium für alle Informationsarten wie sie zum Beispiel für Sicherheitsdatenblätter benötigt werden und gleichzeitig als Speicherformat. Zudem unterstützen führenden Unternehmen der Softwarebranche von IBM über Microsoft und SAP bis zur Software AG den vom W3C verabschiedeten XML-Standard.”

Magis hat daher eine Pilotanwendung auf Basis des XML-Informationsservers Tamino der Software AG entwickelt, die demonstriert, wie eine Übermittlung von Geschäfts- und Handelsdaten zwischen Unternehmen über das Web funktioniert. In diesem Szenario steht der Tamino-Server bei einem Chemieunternehmen. Gespeichert sind im Server Sicherheitsdatenblätter in Form von XML-Dokumenten, die das Unternehmen über das Web an Kunden, mit denen es Geschäftskontakte pflegt, übermittelt. Diese können die Unterlagen mit einem Browser sichten und bei Bedarf etwa in einem XML-fähigen Textprogramm weiterverarbeiten. Da auch alle bedeutenden Anbieter von ERP-Software in Kürze ihre Produkte mit einer XML-Schnittstelle ausstatten wollen, ist auch ein direkter Import in derartige Anwendungen denkbar. Im Idealfall verfügt der Empfänger der XML-Daten über einen XML-Server wie Tamino, um die Dokumente für weitere Zwecke bereitzustellen.

Auch im einfachsten Fall können Unternehmen die empfangenen Unterlagen mit einem marktgängigen, XML-fähigen Browser einsehen. Gegenüber einer meist proprietären EDI-Lösung ergeben sich allein schon dadurch massive Einsparungen. Beim zuständigen Branchenverband VCI ist das Konzept nach Mehler's Angaben auf beachtliche Resonanz gestoßen: "Im Anschluss an eine Präsentation der Konzeption hat uns der VCI ausdrücklich sein großes Interesse an einer Lösung auf Basis von XML bescheinigt.” Während in der EDI-Welt ein Lieferant im ungünstigsten Fall für jeden einzelnen Kunden eine eigene Schnittstelle bereitstellen muss, genügt in der XML-Welt die vom W3C (World Wide Web Consortium) definierte Spezifikation. “Gerade für mittelständische Unternehmen ist dies von enormem Vorteil”, betont Mehler.

Die chemische Industrie als Lieferant der Automobilindustrie

XML als Standard zum Austausch strukturierter und unstrukturierter Daten hat jedoch nicht nur Bedeutung innerhalb der chemischen Industrie, sondern weit darüber hinaus. Denn viele Chemie-Unternehmen verkaufen ihre Lacke oder Kunststoffe zum Beispiel an Unternehmen der Automobilindustrie. Auch hier müssen den Waren Sicherheitsdatenblätter beigefügt sein. Mehler erläutert: "Bekanntermaßen unternimmt die Automobilindustrie seit einiger Zeit Anstrengungen, damit Zulieferer Geschäfts- und Handelsdaten für den elektronischen Datenaustausch bereitstellen. Auch hier gilt wieder: Ein Unternehmen, das mehrere Hersteller beliefert, hat hohes wirtschaftliches Interesse daran, einheitlich aufbereitete Dokumente versenden zu können, statt unterschiedliche EDI-Schnittstellen bedienen zu müssen. Dafür ist XML die richtige Lösung.”

Mehler ist Optimist: “Gelingt es der chemischen Industrie, XML als Standard für den Datenaustausch in der Praxis zu etablieren, gibt es gute Aussichten, auch die Automobilindustrie von den Vorteilen zu überzeugen. Die Zeit von EDI ist abgelaufen. XML ist hervorragend geeignet für den dokumentenorientierten Informationsaustausch. Überspitzt formuliert: Die Zeit naht, da man sagen wird: Wer kein XML nutzt, der macht bald kein Geschäft mehr.”

Ansprechpartner:

Magis Gesellschaft für Umwelt Informationssysteme mbH
Klaus-Dieter Mehler
Geschäftsführer
Otto-Hahn-Straße 20
65520 Bad Camberg
Tel.: +49 6434/900183
Fax: +49 6434/900185
E-Mail: Magis@t-online.de

Jürgen Wasem-Gutensohn ist Redakteur bei der PR-Agentur
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