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Universität
St. Gallen
XML-Datenbank
verbessert Therapie-Erfolge
Von
Jürgen Wasem-Gutensohn*
Die Universität St. Gallen
unterstützt die Schweizer Langzeitstudie SHCS, in der
bis heute über 10.000 HIV-Patienten wissenschaftlich
betreut wurden, mit einem bedeutenden Webprojekt.
Darin werden Patienteninformationen aus ganz
unterschiedlichen Quellen mit Hilfe von XML
strukturiert, in dem XML-Informationsserver Tamino
gespeichert und so für die weitere Verwendung
bereitgestellt. Diese XML-Datenbank soll später auch
im Intranet zugänglich sein. So wird die
patientenbezogene Integration aller vorhandenen
medizinischen Daten erreicht und die ärztliche
Betreuung der HIV-Patienten verbessert. Auch die
Forschung profitiert davon.
Von den Auswirkungen des Informationszeitalters bleibt keine Branche
verschont; entscheidend ist, ob diese
Herausforderungen als Risiko oder als Chance begriffen
werden. Gerade im Gesundheitswesen ergeben sich durch
den Einsatz modernster IT-Technologien neue Möglichkeiten
bei der Speicherung, der Abfrage und der Verbreitung
medizinischer Informationen. Die Swiss HIV Cohort
Study (SHCS) ist dafür das beste Beispiel. Anfangs
erfolgte die Finanzierung durch das Schweizerische
Bundesamt für Gesundheit, heute vom Schweizerischen
Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen
Forschung.
Die Langzeituntersuchung von HIV-Patienten in der Schweiz startete 1988 und
analysiert den Verlauf und die Ausbreitung dieser
Infektionskrankheit. Aktuell werden zirka 4.500
Patienten in Hospitälern und Kliniken in Basel, Bern,
Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen und Zürich
behandelt; insgesamt wurden bis heute etwa 10.000
Patienten wissenschaftlich betreut. Bei zwei regelmäßigen
Arztbesuchen pro Jahr werden soziale, anamnestische
und klinische Daten sowie die Ergebnisse von
Laboruntersuchungen anonymisiert an ein zentrales
Rechenzentrum in Lausanne übermittelt und dort in
einer zentralen SQL-Datenbank gespeichert.
Alle Daten zu einem Patienten, insbesondere unter therapeutischen
Gesichtspunkten, zusammenzuführen, erwies sich
bislang als sehr schwierig. Die Angaben in der SQL-Datenbank
wurden vorwiegend für Forschungszwecke genutzt, in
geringem Maße auch in der alltäglichen Betreuung der
Patienten. Mit dem Ziel einer raschen Verbreitung und
einem schnellen und einfachen Zugang zu allen
vorhandenen medizinischen Informationen starteten
daher im September 1997 ein kantonales und ein
Universitätsinstitut in St. Gallen das
SHCS-Web-Projekt. Zu den wesentlichen Zielen zählt
die Entwicklung und Implementierung von
Softwarewerkzeugen, die den angeschlossenen Kliniken
einen Datenaustausch via Web gewähren in einer
ersten Phase der Laborwerte und später auch der
sozialen, anamnestischen und klinischen Daten.
XML
als Integrationsplattform
Im weiteren Verlauf des SHCS-Webprojekts konzipierte das Team um Dr. Rolf Grütter
und Dr. Walter Fierz bereits im Jahr 1998 eine Lösung
auf Basis von XML und produzierte zunächst unter der
Bezeichnung Electronic Study Form (ESF) eine
prototypische Anwendung. Die Entscheidung für XML
fiel bereits sehr früh: XML überzeugte uns vor
allem wegen seiner potentiell universellen Verfügbarkeit
im Web, der Unabhängigkeit von proprietären Systemen
sowie der Dokumentenorientierung. Der zuletzt genannte
Aspekt schließt die gute Lesbarkeit und damit auch
die Aufbewahrungspflicht medizinischer Unterlagen mit
ein, erläutert Dr. Rolf Grütter, Leiter des
Forschungsbereichs Knowledge Media for Professional
Communities (KMPC) des Instituts für Medien- und
Kommunikationsmanagement an der Universität St.
Gallen. Alternativen zu XML wie etwa CORBAMed
erwiesen sich für unsere Zwecke als viel zu komplex
in der Handhabung, ergänzt Dr. Walter Fierz,
Leiter der Abteilung Immunologie am Institut für
Klinische Microbiologie und Immunologie des Kantons
St. Gallen.
ESF, eine selbst entwickelte Anwendung auf Basis von Dynamic HTML,
Microsofts Data Binding und JavaScript und nutzt
bereits XML als Austauschformat zwischen heterogenen
Systemen. Seit Sommer 1999 werden die Labordaten, die
aus unterschiedlichen Quellen stammen, im XML-Format
in Tamino, dem Informationsserver der Software AG,
abgelegt eine ideale Lösung wie Fierz meint:
Alle relevanten Daten zu einem Patienten stehen
damit an einem Ort zur Verfügung. Dies betrifft die
Laborwerte aus der zentralen, relationalen Datenbank
und zukünftig auch die klinischen Werte, die bislang
manuell auf Papier erfasst und ausgetauscht wurden.
Tamino ist ein Produkt, das dafür eine überzeugende
Lösung bietet."
In einer ersten Projektphase erfolgt die Erfassung und Ablage der Daten im
XML-Format in einer lokalen Datenbank, die dann später
für die an SHCS beteiligten Stellen zur Verfügung
steht. Wir haben uns von der XML-Anwendung eine
Beschleunigung der Prozesse der Datenerfassung, der
übermittlung und der ablage sowie eine
Reduktion der Fehlerquote bei der Dateneingabe erhofft.
Unser Eindruck ist, daß diese Ergebnisse zumindest
teilweise erreicht werden. Dies evaluieren wir in
einem laufenden Test, welcher die
alten Prozesse mit den neuen vergleicht, sagt Grütter. In einer späteren Phase soll XML die Anbindung von
weiteren Anwendungen wie beispielsweise
Expertensystemen für Diagnose und Therapie
erleichtern. Darüber hinaus wird erwogen, die
XML-Datenbank an weiteren Zentren, die an der
Langzeitstudie beteiligt sind, als Ablagemedium zu
nutzen.
Beide Wissenschaftler betonen explizit die hervorragende Eignung von XML zur
Abbildung strukturierter Daten, wie sie im Bereich der
medizinischen Dokumentation üblich sind. Ähnlich
wie in einer Patientenakte mit einem Deckblatt sowie
weiteren Einträgen nach Arztbesuchen bilden wir diese
Informationen in ihrer ursprünglichen Struktur im XML-Format
ab und speichern sie auch so," kommentiert Fierz.
"Mit XML wird die Struktur von Informationen
entsprechend der medizinischen Logik optimiert. Damit
können Zusammenhänge, die für Therapie und
Forschung bedeutsam sind, besser erkannt werden."
Die bisherigen Erfahrungen beim Einsatz einer XML-Datenbank beurteilen die
Projektkoordinatoren sehr positiv. Eine
Weiterentwicklung wird gegenwärtig geprüft, etwa auf
dem Gebiet Optimierung der Abfrage vorhandener Daten
sowie dem direkten Zugriff auf relationale Datenbestände.
Diese werden bislang über ein Stapelverfahren ins XML-Format
konvertiert und erst dann in die XML-Datenbank
importiert.
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Jürgen Wasem-Gutensohn ist Redakteur bei der PR-Agentur
PR-COM in Martinsried bei München
Ansprechpartner:
Institut für Klinische Mikrobiologie und Immunologie
Dr. Walter Fierz
Leiter Abteilung Immunologie
Frohbergstrasse 3
CH-9001 St. Gallen/Switzerland
Tel.: ++41 71 494 37 00
Fax: +41 71 494 37 85
E-Mail: walter.fierz@gd-ikmi.sg.ch
Universität St. Gallen
Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement
(Lehrstuhl Prof. Dr. Beat F. Schmid)
Dr. Rolf Grütter
Leiter des Forschungsbereichs Knowledge Media for
Professional Communities (KMPC)
Müller-Friedberg-Strasse 8
CH-9001 St. Gallen/Switzerland
Tel.: ++41 71 224 34 92
Fax: ++41 71 224 27 71
E-Mail: rolf.gruetter@unisg.ch |